Die Scheidung zwischen Freiheit und Unfreiheit betraf überwiegend die Unterschicht (Bauern), aber die Stadt zog Menschen vom Lande an, die hier freie Bürger werden konnten.

Die Kleiderordnung schrieb vor, dass die Bauern keine kostbaren und bunten Stoffe tragen sollten. Im Sommer wurden Kleider mit kurzen Ärmeln und im Winter lange Ärmel getragen. Die Ordnung war dazu gedacht, die ständischen Unterschiede äußerlich kenntlich zumachen. Man hielt sich freilich nicht daran. Wie heute, versuchten reiche Bauern der Oberschicht nach zu eifern. Einige aus der Oberschicht gerieten in finanzielle Not und anderseits brachten einige Bauern es zu Reichtum. Der persönliche Besitz war entscheidend für Ansehen und Stellung. Wimpfeling schrieb im 15 Jh.: „Durch Reichtum sind die Bauern in unserer Gegend und in manchen Teilen Deutschlands üppig und übermütig geworden. Ich kenne Bauern, die bei der Hochzeit von Söhnen oder Töchtern so viel Aufwand machen, dass man dafür ein Haus und ein Ackergütchen nebst einem kleinen Weinberg kaufen könnte. Sie sind in ihrem Reichtum oft wahrhaft verschwenderisch in Nahrung und Kleidung.“

Für alle Zivilisationen galt, dass man isst was man am Orte vorfindet und was dort gedeiht.

Die unterschiedliche Vegetation in Europa wirkte sich natürlich auch auf die Küchengewohnheiten aus. Je südlicher, desto abwechslungsreicher und reicher die Ernährung auch in der unteren Schicht. Genauso bei west-östlicher Richtung, was allerdings nicht mit der Ernährung sondern mit dem römischen Imperium zu tun hatte.



Durch die Dreifelderwirtschaft wurde im Hochmittelalter die Ernährung der Bevölkerung besser und vielfältiger. Die grundherrliche Eigenwirtschaft stark eingeschränkt, die bäuerlichen Frondienste verringert und die persönliche Bindung der Adligen zu ihren Hörigen gelockert. Händler und Gutsverwalter waren eine Verbindung zwischen dem niederen Volk und den oberen Herren, diese spielten eine wichtige Rolle beim Aufschwung der Gesamtwirtschaft auf dem Land und in der Stadt.

Viele Neuerungen greifen im 13 Jh. ins Mittelalterleben ein. Die Brille als Sehhilfe wird bekannt und das Spinnrad hält in das Leben Einzug. Die vertikalen Webstühle werden durch horizontale Webstühle ersetzt und eine neue Technik der Fachbildung eingesetzt. Als Einschussmaterial wurde Wolle, Leinen und anfänglich auch schon Baumwollgarn verwendet. Vom Weber wird nun durch einen Fußtritt ein Fach gebildet, das Schiffchen von Hand durch geworfen und in Schussrichtung mit einer aufgehängten Lade angeschlagen.

Das Volk

Selbst bestimmt wie die städtische Administration war ebenso die innere Ordnung der meisten Berufe, durch das Instrument der Zünfte. Sie nahmen Qualitätsprüfungen vor und regelten den Wettbewerb. Sie organisierten das Handwerk und den städtischen Kleinhandel. Das städtische Handwerk ist überwiegend mit der Herstellung von Nahrungsmitteln und Kleidung befasst. Angebot und Nachfrage führen manche Handwerker zu spezialisierter Produktion an,

so gibt es nun Weiß-, Semmel- oder Roggenbäcker. Die Spezialisierung führt zur größeren Produktivität und hochwertigerer Ware. Die Arbeitszeit der Handwerker ist leidlich geordnet. Anders als der von Witterung und Jahreszeiten abhängige Bauer können sie sechs Tage die Woche 12-14 Stunden arbeiten. Inhaber einer Werkstatt ist der zünftige Meister, sein Geselle muss ehelich geboren sein und im Anschluss an seine Lehrzeit seine Fertigkeit bei der Zunft zeigen.

Ab dem Hochmittelalter setzte sich im Hausinneren die zwei Stuben Unterteilung durch. Von da an hieß es nicht mehr frösteln. Man konnte nun Feste feiern und hatte eine warme fröhliche Zusammenkunft. Dies setzte sich wie bereits erwähnt von Süd-Nord und West nach Ost durch. In den Dörfern wurde gefeiert. Papst Gregor IX verfügte insgesamt 85 arbeitsfreie Tage um sich mehr Gott zuwenden zu können. Feierlichkeiten fanden meist unter freiem Himmel auf Plätzen oder sogar auf Friedhöfen statt.

Ein Bauernhaushalt war gut durch organisiert. Den Mittelpunkt bildete die Ehegemeinschaft, der Mann (lat. pater familias genannt) besaß das Verfügungsrecht über alle Angehörigen des Hauses und die Haftung für diese.

Der Platz der Frau war Haus und Hof. Der Akt der Eheschließung kannte strikte Abläufe. Brautwerbung, Verlobung und schließlich die Hochzeit. Der Mann musste erst die Brautgabe zahlen, es handelt sich hier um eine vorsorgliche Reserve für den Fall der Witwenschaft. Die Höhe errechnete sich nach seinen finanziellen Möglichkeiten. Im Laufe der Zeit bekam die Frau eine gewisse Autorität und Einfluss in der Haushaltsführung. War ihr Gatte auf Reisen, bekam sie sogar die Leitung über Haus (Kindererziehung) und Geschäft.

Durch die häufigen Schwangerschaften im Mittelalter hieß es, bis zur 10 Woche ist der Fötus nicht beseelt, somit kein menschliches Wesen (Abtreibung wird nicht bestraft). Heftiges Niesen, auf und ab hüpfen und bestimmte Säfte sollten zur Verhütung dienen. Als beginn des Lebens galt die Geburt, den sozialen Beginn die Taufe. Die Taufe wurde von der Kirche nur zweimal im Jahr praktiziert, ein Tag vor Ostern und ein Tag nach Pfingsten. Das Lebensalter wurde in sieben Stufe unterteilt: Kindheit (bis zum 3. Jahr), Pueritas (bis zum 14.Jahr), Adolszenz (bis zum 30.Jahr, Jugend (bis zum 45.Jahr), Reife (bis zum 60.Jahr) und Alter (bis der Mensch zu Asche wird). Wenn ein Bürger im Sterben lag, nahmen die Angehörigen und das Gesinde förmlich Abschied. Die Bestattung wurde durch die Angehörigen oder durch eine besondere Bruderschaft vorgenommen. Die Totenwache, eigentlich eine ernste Angelegenheit, scheint gelegentlich ausgeartet zu sein. Man tanzte um den Leichnam und sang fröhliche Lieder. Am Grab (bis ins 14. Jh. ein Massengrab) wurde das Testament verlesen. Selbst auf diesen Friedhöfen wurde getrennt nach Arm und Reich. Gerichtsverhandlungen und besondere Zusammenkünfte fanden zwischen diesen Gräbern statt. Gemeinschaftseinrichtungen, wie Brau- und Backhäuser entstanden. Da nachts das ewige Licht brannte, war der Friedhof ein beliebter Treffpunkt.