... aus dem Mittelalter

Einem etwas anhängen stammt aus dem Rechtsgebrauch des Mittelalters. Man hängte Gotteslästerer, Schmäher, zänkische Weiber als ehrlose Menschen einen Lasterstein oder Klapperstein um und ließ sie durch die Stadt oder um das Rathaus schleppen. Tunksüchtige Weiber wurden zum Tragen von Schandflaschen verurteilt. Auf dem Scheiterhaufen wurde eine Tafel um den Hals gehängt worauf die Ursache der Verurteilung stand.

Das Antoniusfeuer befiel viele Menschen im Mittelalter. Der Pilz wird durch das schwarze Mutterkorn im Getreide verursacht. Es kann brennende Schmerzen verursachen und lässt die Glieder schwarz werden, sie führt zu geistiger Verwirrung und zum Tod. Wenn Menschen diese Krankheit hatte, sollten sie zu dem heiligen Antonius beten, so erfolgte angeblich Heilung.

Etwas anzetteln stammt aus der Fachsprache der Weber. Den Anfang eines Gewebes herrichten, die Fäden aufspannen, wobei mit Zettel nicht die Papierzettel gemeint waren, sondern die Längsfäden.

Mit Argusaugen beobachten, Argos Panoptes ( der Allessehende) ist eine Gestalt der griech. Sage. Im Mittelalter war dieser Begriff auch bekannt z.B. Cautius in terris vos exercete, fidelis, Desuper intentans oculatus prospicit Argus.

Etwas aus dem Ärmel schütteln stammt aus dem Mittelalter, da die Ärmel sehr groß waren und man sehr gut etwas darin verbergen oder aufbewahren konnte. Taschen in den Ärmeln dienten später auch den Taschenspielern und Gauklern bei ihren Tricks.

Du kannst mich am Arsch lecken soll eine Entwürdigung und Demütigung sein. Es war früher kein Kraftwort . Die Weisung des nackten Hinterns war eine Abwehrgebärde mit zauberischen Hintergrund. Glaubte man einer Hexen und den Teufel zu begegnen, murmelte man den Spruch mehrmals vor sich hin.

Etwas ausfressen stammt wahrscheinlich aus dem Mittelalter. Wollte ein Schuldner die Steuern nicht bezahlen, wurde er mit Fressern verurteilt. Die Fremden verzehrten alle Vorräte, bis der Schuldige bezahlte oder sein Haus verließ, somit hatte er keine Existenz mehr. Diese Verurteilung war auch in Frankreich und Italien sehr beliebt.

Jemanden barbieren - es galt als eine entehrende Strafe im Mittelalter. Der Bart war ein Zeichen der Mannhaftigkeit. Das abscheiden des Bartes spiele als Racheakt eine Rolle und stellte eine große Erniedrigung dar.

Vier Wände beschreien – ein Kind musste erst die vier Wände beschreien und erhielt somit die Erbberechtigung des Hauses. Nachbarn die das hörten galten als Zeugen vor Gericht.

Einen harten Bissen zu kauen haben - es war ein Biss mit dem ein Gottesurteil gefällt wurde. Dem Beschuldigten wurde ein Stück Brot oder Käse in den Mund gestopft, konnte er es schlucken, war es ein Beweis seiner Unschuld. Blieb er im Hals stecken, so galt man als schuldig und der Erstickungstod war eine gerechte Strafe.

Brief und Siegel geben, ein Brief ohne Siegel war als Urkunde rechtsungültig. Zitat: Wenn wir einen heymlich lugen straffen, sagen wir, wo er etwas saget, das wir nicht glauben, Ein briefflein were gut dabey, damit man solches beweysen vnd warmachen mochte, denn brieffe vud sigil glaubt man gern, denn es sind vieler leute zeugnis.

Einem das Dach abdecken oder auf´s Dach steigen, war eine Strafe gegen Friedlose, Geächtete und Weiber die ihren Mann schlugen. Den Verbrecher durfte kein Dach schützen, dann war er vogelfrei und die Obrigkeit hatte nun das Recht ihn im Haus zu verhaften. Die Strafe wurde bis in 18 Jh. Verhängt.

Verschuldet bis unter die Dachziegel – Der Hypothekengläubiger nahm einen Dachziegel und kennzeichnete ihn als Pfandobjekt (Schuldschein). Wurden die Schulden mehr, wurden die Ziegel immer weniger. Wenn das Dach abgedeckt war, durfte man den geschützten Hausfriedensbereich pfänden.

Unter einer Decke stecken – zu einer rechtmäßigen mittelalterlichen Eheschließung gehörte das Zudecken der Jungvermählten. Eltern und Verwandte waren Zeugen dieses Vorganges, somit war es rechtlich.

Auf den Esel setzen – der Eselritt war in vielen Ländern verbreitet. Es ist sogar bekannt, das ein Mann, der von seinem Weibe geschlagen wurde, als Bestrafung verkehrt auf dem Esel durch die Stadt reiten musste.

Fechten gehen (betteln gehen) – im Mittelalter hatten sich viele Handwerker und Söldner zu Fechtgesellschaften zusammengeschlossen. Mit den erlernten Künsten zogen sie umher und verdienten damit zusätzlich ihren Lebensunterhalt. (Essen und Trinken).

Nicht viel Federlesen machen – im Mittelalter galt es als niedrige und kriecherische Schmeichelei, Höhergestellten die angeflogenen Federchen von den Kleidern zu lesen.

Fersengeld geben – a: Bußgeld für rechtswidriges Verlassen des Ehegatten b: Statt mit einer gültigen Münze zu zahlen, gab der fliehende Fersengeld c: Tritt auf die Ferse des Vordermannes. Es gibt einige Möglichkeiten, aber in den meisten Fällen handelt es sich bei der Bedeutung jedoch um Flucht.

Jemanden etwas flüstern – der Flüsterer war ein Verleumder, der Unwahrheiten und Lügen über seine Mitmenschen verbreitete. Diese stellten oft grobe Beleidigungen dar, die mit harter Strafe belegt wurden, wenn sie nachgewiesen wurden. Um vor Zeugen sicher zu sein, wurden solche Botschaften ins Ohr geflüstert.

Ein Gelage geben - urspr. Zusammengelegtes, wo jeder seinen Teil zu Trunk und Schmaus beiträgt.

Den Gürtel anlegen – Der Gürtel galt im Mittelalter als Symbol der Macht und der Herrschaft. Den Gürtel ablegen: sich unterwerfen. Den Gürtel verlieren: um Hab und Gut gekommen. Der Gürtel war aber auch ein Sinnbild der Jungfräulichkeit. Den Gürtel lösen: die Ehe vollziehen.

Gebrochene Hand – Durch Tod gelöste Ehe. Die Hand verbrechen bedeutet sich wiederverheiraten. Der Mann als Haupt der Familie stand zur Rechten, die Frau zu seiner Linken. Stammten beide aus verschiedenen Schichten, so folgten die Kinder dieser Ehe der besseren Hand. Eine Ehe zur linken Hand ist eine unstandesgemäße Ehe, die Kinder folgten dann der niedrigeren Frau.

Hand und Fuß haben – Mit der rechten Hand wurde das Schwert geführt und mit den linken Fuß setzte der Mann zuerst in den Steigbügel. Das Abhauen der rechten Hand und des linken Fußes war im Mittelalter eine besonders schwere Strafe.

Bönhasen (Bodenhase)– hießen im Spott die Handwerker, die ohne Vollmacht der Zunft heimlich und in den oberen Kammern versteckt arbeiteten. Die Arbeiten waren dem entsprechend schlecht, also bedeutet Bönhase soviel wie Stümper oder Pfuscher.

Ein paar Hosen aushängen – ein Witwer der sich bemüht eine Frau zu bekommen

Vom Hundertsten ins Tausendste – Es ist ein Irrtum bein Rechnen. Vom 15. bis 17.Jh. wurde die Rechenbank viel genutzt. Auf der waagerechten Linie wurden die Rechenpfennige um je eine Dezimalstelle angezeigt. Es heißt richtig das Hundert in das Tausende werfen. Hundert sind das zehend teyl von tausent, vnd tausent ist ein größere zal denn hundert. Wer nun hundert zu tausend wirfft, vnd rechnet nicht darzwischen die andern hundert, als zey, drey usw. vnd als denn tausent, der macht es also, dass niemand weyß, was er rechnet oder redet.

Am Hungertuch nagen – am Mittwoch der Karwoche wurde ein Passionsbild mit einem Tuch verhüllt und herabgelassen. Da es auch genau in die Fastenzeit viel, nannte der Volksmund dieses blaue oder schwarze Tuch Hungertuch.

Den Hut abnehmen – Das Hut abnehmen gilt nach alter Auffassung als Zeichn der Lehenshuldigung. Der Hut Gruß ist ursprünglich eine Demütigung des Untergebenen. Es gilt als besonderes Vorrecht, den Hut in Gegenwart des Herrschers aufbehalten zu dürfen. Nach dem höfischen Brauch des Mittelalters, musste der Lehensmann bei seinem Lehensherrn die Rüstung und die Wehr ablegen. In der bürgerlichen Kultur wurde diese kriegerische Helmsitte auf den friedlichen Filzhut übertragen.

Hut einwerfen – Eine alte Form des Einspruchs gegen die Ehe war das Werfen des Hutes oder der Mütze. Wenn eine Ehe von der Kanzel verkündet wurde und die Frau Einspruch erheben wollte, musste sie ihre Mütze abnehmen und in die Kirche werfen. Somit wurde die Heirat rückgängig gemacht.

Jahr und Tag – ist eine Rechtsformel im Mittelalter, die eine Frist von einem Jahr, sechs Wochen und drei Tagen festlegte um in den Besitz eines Erbes zugelangen. Da das ordentliche Landgericht alle 6 Wochen stattfand und jedes Mal drei Tage dauerte, konnte die Klage längstens in einem Jahr, sechs Wochen und drei Tagen angefochten werden.

Zwischen den Jahren – Das Christentum feierte den 25 Dezember als Geburtstag von Jesu und auch den Jahresanfang. Man feierte noch nicht das Geburtstagsfest, erst im Jahr 354 wurde der Geburtstag am 25 Dez. gefeiert. Es wurde zunächst nur die Taufe am 06. Januar (Epiphaniastag) gefeiert. Im Mittelalter wechselte der Jahresanfang öfter. Zwischen den Jahren nennt man die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest.

Alle Jubeljahre einmal – Es hatte den Zweck, gänzliche Verarmung zu verhindern, denn es stellte durch den Erlass aller Schulden die annähernde Gleichmäßigkeit des Grundbesitzes sicher. Ursprünglich sollte sich dies alle 100 Jahre wiederholen, doch verkürzte sich dieser Zeitraum bald auf 50, dann auf 33 und dann 25 Jahre.

Alles über einen Kamm scheren – geht wahrscheinlich zurück auf die Baderstuben, weil der Bader für alle Kunden den gleichen Kamm benutzte.

Kerbholz – War vor der Einführung schriftlicher Rechnungslegung das wichtigste Gerät zur Aufzeichnung von Lieferungen und Arbeitsleistung.

Mit Kind und Kegel – mit der ganzen Familie und Gepäck. Eigentlich meinte man mit ehelichen und unehelichen Kindern. Kegel wird im Vokabular von 1482 als uneheliches Kind erklärt.

Sich einen Korb holen oder bekommen – erklärt sich aus der mittelalterlichen Sitte, dass ein Mädchen einem ihr nicht genehmen Freier einen Korb, dessen Boden gelockert war, von ihrem Fenster an einem Seil hinunterließ. Wurde er nun in diesem Korb hinaufgezogen, fiel er durch.

Das geht auf keine Kuhhaut – Es lässt sich nicht alles auf ein so großes Pergament schreiben. Es wurde im Mittelalter auf Schafs oder Kalbshäute geschrieben. Die Pointe: Um sehr viele Sünden auf schreiben zu können müsste man eine Kuhhaut nehmen.

Lanze – Das Wort Lanze kommt erst um 1200 als Lehnwort, vorher wurde Sper oder Spiesse gesagt.

Sein Licht unter dem Scheffel stellen – bescheiden sein. Wenn eine Kerze auf dem Tisch steht, erleuchtet es allen im Raum. Steht sie jedoch unter dem Scheffel, wird der Scheffel das Licht verbergen.

Die rechte Hand nicht wissen lassen was die linke tut – Ging ein Adliger eine eheliche Verbindung mit einer Bürgerlichen ein, so sagte man „Sie ist ihm links angetraut worden“. Sie durfte nicht an seiner rechten Seite gehen wie Gleichgestellte.

Den Mantel auf beiden Schultern tragen – es beruht auf der alten Rechtsformel „den Mantel schultern“. Der geschulterte Mantel ist im Mittelalter ein Zeichen der Waffenlosigkeit.

Minne trinken – ist ein Zeichen des miteinander Verbundensein und wurde im Mittelalter durch gemeinsames Trinken betont.

Mittelalter – In dieser Form stammt das Wort aus dem 19. Jh. Früher redete man vom mittleren Zeitalter, Mittelzeit oder von der mittleren Zeit.

Das Recht mit Füßen treten - Nach einem mittelalterlichen Strafbrauch mussten Wucherer und Ehebrecher an drei Sonntagen hintereinander barfuss um die Kirche gehen, sich dann hinlegen und die Leute über sich treten lassen, damit wurde symbolisch das getretene Recht durch die gleiche Vergeltung wiederhergestellt.

Nüsse durch einen Sack beißen – war im 16 Jh. Eine allgemeine Redenart mit der die verbotene Liebschaft zu einer Nonne im Kloster umschrieben wurde.

Das Salz der Erde sein – die das Evangelium überallhin bringen, die dem sittlichen Verfall auf Erden entgegenwirkt. Das Salz und das Brot ist der Inbegriff der Hausnahrung und Sinnbild der Ergebenheit und Treue.

Sang und Klaglos verschwinden – diese Redewendung bezieht sich auf die kirchlichen Feierlichkeiten bei einem Leichenbegräbnis; ohne das zu Ehren des Toten die Glocken und ein Trauerlied erklingen.

Einen aus dem Sattel heben – Wer aus dem Sattel gehoben war, war nicht nur besiegt, sondern nach den strengsten Turnierbestimmungen samt Pferd, Rüstung und Wagen eine Beute des Siegers. Der Sieger konnte bestimmen für welche Summe alles zurück gekauft werden konnte.

Schandmantel tragen – am Pranger stehende, wurden im Mittelalter mit einen Schandmantel angezogen. Dirnen waren durch bestimmte Trachten gekennzeichnet, z.B. durch rote Schuhe und gelbe Schleier, Juden mit einem gelben Spitzhut.

Scheiße – Das Wort ist seit dem Mittelalter ein Ausdruck der Ablehnung und des Fluchens.

Einem die Schellen anhängen – Ursprünglich galt das Schellen tragen als eine Auszeichnung. Im Mittelalter wurde es zu einer Mode bei den Rittern und Vornehmen, Schellen als Verzierung der Festgewänder zu verwenden. Sin zeswer arm von schellen klanc, swar ern bot oder swanc. Erst später erhielten die Schellen eine negative Bedeutung, für Narren usw.

Du sollst mich einen Schelm heißen – es ist eine mittelalterliche Sitte, treubrüchigen, meineidigen Leuten ehrenrührige Scheltbriefe zu senden oder öffentlich Anschlagen zu lassen. Die Schelmenschelte war im deutschen Recht eine Klausel in Schuldurkunden, wonach der Gläubiger befugt sein sollte, den säumigen Schuldner zu schelten.

Etwas im Schilde führen – Am Wappenbild eines Schildes konnte der Wächter einer Burg ablesen, was der nahende Reiter im Schilde führte, ob er Freund oder Feind war.

In den Schild reden – jemanden die Berechtigung anzweifeln, ein Schild und ein Wappen zu tragen, seine Ritterbürtigkeit und sein Adel an zu zweifeln. Der Schild war das Symbol der Freigeborenen, bezeichnete den Stand, Rang und die Lehensfähigkeit.

Die Schlüssel kriegen – Wenn die Ehefrau zum ersten Mal das Haus ihres Mannes betrat, erhielt sie die Schlüssel zu Schränken und Truhen. Die Herrschaft über den Hausrat und das Gesinde wurde ihr übertragen. Zum Zeichen ihrer Würde trug sie die Schlüssel an dem Gürtel.

Einem die Schlüssel aufs Grab legen – die Ehefrau, die die Schulden des Mannes nicht bezahlen wollte, legte oder warf im die Schlüssel aufs Grab. Sie drücke damit aus, dass sie keine Verpflichtungen ihm gegenüber mehr habe. Es ist in manchen Gegenden heute noch brauch.

Einen guten Schnitt machen – Dem Bauern gehörte das Getreide auf dem Felde erst dann, wenn es geerntet war. Es wurde nach dem Schnitt mit der Sichel oder der Sense verkauft, dies war seine Haupteinnahmequelle.

Die Schranken überschreiten – Da die Gerichtversammlungen unter freiem Himmel stattfanden, mussten Richter und Gerichtsplatz gegen den Andrang der Menge abgetrennt und gesichert werden. Dies erfolgte durch Haselstäbe, die im Kreis in den Boden gesteckt wurden.

Jemanden auf der Schwelle begrüßen – Besucher nicht ins Haus hereinbitten, sondern sie unhöflich an der Tür empfangen, um sie bald wieder loszuwerden.

Sich die Sporen verdienen – Im Mittelalter trug der Knappe bereits vor dem Ritterschlag Sporen, doch bei der Verleihung der Ritterwürde wurden dem jungen Helden als Abzeichen seines neuen Standes feierlich goldene Sporen geschnallt. Erfolgte dies vor einer Schlacht, so kämpften sie in den vorderen Reihen um sich dort ihre Sporen zu verdienen.

Einem die Stange halten – Laut Landrecht steht jedem Kämpfer im gerichtlichen Zweikampf eine Art Sekundant zu Seite, der mit Hilfe einer Stange notfalls eingreifen kann. Ir ietwederm sol der rihter einen man geben, der ein stange trage, die sol der über den haben, der da gevellet.

Einen Stein im Brett haben – stammt von dem mittelalterlichen Brettspiel Tricktrack oder dem Puffspiel ab.

Jemanden eine Strafe aufbrummen – die alte entehrende Strafe des Maleinbrennens, es müsste eigentlich richt heißen: Der Richter brennt dem Verurteilen die Strafe auf.

Nach Strich und Faden – Der Webermeister musste die Arbeit nach Strich und Faden genau prüfen, um seine Qualität festzustellen. Nur Ware die nach Strich und Faden einwandfrei war, galt als gute Ware.

Den Stuhl vor die Tür stellen – Der Stuhl als Rechtssymbol von Eigentumsrecht. Es war Brauch, Personen, die sich zum zweiten Male verheirateten, die ihren Witwenstuhl verrückten, von der Gütergemeinschaft mit den Kindern erster Ehe auszuschließen. Ihnen wurde wirklich der Stuhl vor die Tür gesetzt.

Süßholz raspeln – früher wurde aus den zuckerhaltigen Wurzelstöcken des Süßholzes Drogen, Süß- und Genussmittel hergestellt.

Die Tafel aufheben – Das Zeichen zur Beendigung der Mahlzeit. Im Mittelalter wurden die Tischplatten erst, wenn gespeist werden sollte, auf Gestelle gelegt und nach dem Essen wieder aufgehoben.

Auf den Teppich treten – gleichbedeutend mit heiraten, da vor dem Traualtar ein Teppich gelegt wurde.

Den Teufel an die Wand malen – Früher sagte man den Teufel über die Tür malen, statt des Segenszeichens C+M+B

Reinen Tisch machen – Schreibtäfelchen aus Wachs, auf denen man ausdrückte oder abschabte, um die Platte neu beschriften zum können.

Veittag – ist in der Mitte des 12. Jh. der längste Tag des Jahres

Für Vogelfrei erklärt – dem Körper des Geächteten das Grab zu versagen, dass er vielmehr den Raubvögeln überlassen wurde.

Wasser und Feuer verweigern – ihn ächten und des Landes verweisen. Ein alter Rechtsbrauch.

Einem das Wasser nicht reichen können - ein niedriger Dienst am mittelalterlichen Hof, die Sitte des Wasser herumreichens. Nachdem der Truchseß dem Herrn des Hauses die Meldung gemacht hatte, dass das Mahl angerichtet worden sei, ließ dieser durch Hornblasen oder Zuruf den Herrschaften das Zeichen geben, sich an ihren Platz zu bemühen. Unter der Leitung des Kämmerers wurde dann den Tischgästen von den Edelknaben kniend eine Schüssel gehalten und ihnen Wasser über die Hände gegossen. Ein Tuch zum Trocknen hing um den Hals des Knaben. Damen musste es zuerst gereicht werden. Das Waschen wurde nach dem Essen wiederholt.

In den Wind schlagen – alte Rechtsgebärde wenn der Beklagte nicht vor Gericht erschien. Der Kläger sollte dann dreimal in den Wind schlagen und hatte den Streit somit formal gewonnen.

Einem die Würmer aus der Nase ziehen – Vorstellung von wurmgestaltigen Krankheitsdämonen, die nach Volksmedizinscher Auffassung im Leib oder in den Gliedern liegen.

Ein X für ein U vormachen – Im Mittelalter wurden römische Zahlen genutzt, wobei das V zugleich für U stand und fünf bedeutete. Zwei V, eines verkehrt auf das andere gesetzt X, aber zehn bedeutete . Ursprung – jemanden zehn statt fünf anschreiben.

Zapfenstreich – ein Schlag auf den Zapfen, wenn das Bier oder das Weinfass leer waren. Dadurch wollte man den Zapfen fest eintreiben.

Lügen das sich die Balken biegen - geht von der Vorstellung aus, dass Lügen eine Last ist oder auch Lügen, dass die Balken krachen.